Schwule Lacher – Homosexualität bei den Simpsons

Gesendet im: Deutschlandradio Kultur, 27.06.2013

Seit über 25 Jahren gibt es „Die Simpsons“ schon. Ein Kölner Autor hat nun das Thema Homosexualität bei den Simpsons analysiert und erstaunliche viele Anspielungen gefunden. Für den erzkonservativen US-Sender FOX ist sie anscheinend Aushängeschild und Feigenblatt zugleich.

Außerdem mein Interview mit Erwin in het Panhuis, erschienen in: Süddeutsche Zeitung / Medien, 30.06.2013:

SZ: Herr In het Panhuis, in Ihrem neuen Buch erscheint Homer Simpson ja fast als Männerschwarm. Was macht ihn zum Pionier der Lesben- und Schwulenbewegung?

In het Panhuis: Homer ist insgesamt ziemlich distanzlos. Er hat in der Serie mehr als fünfzig Mal andere Männer auf den Mund geküsst und ist trotzdem glücklich mit seiner Frau Marge verheiratet. Er ist mal hetero, mal schwul, mal homophob. Seine homophobe Seite benutzen die Simpsons-Macher fast immer um sich darüber lustig zu machen.

Waren die Simpsons damit Vorreiter bei den Zeichentrickserien?

Die Simpsons haben durchaus Standards für spätere Comedy-Serien gesetzt. Es gibt eine klare Linie gegen Homophobie. Im Vergleich zu anderen haben sie bereits im Februar 2005 als erste die Homo-Ehe in den USA mit einer eigenen Folge behandelt. Die meisten homosexuellen Figuren sind mehrdimensional angelegt, sodass man sich mit ihnen identifizieren kann. Viele Figuren haben außerdem eine recht „flexible“ Sexualität, was es für die Zuschauer noch spannender macht.

Wie findet man so etwas raus? Haben Sie wochenlang nur Fernsehen geschaut?

Ich habe mir die ersten 500 Folgen angeschaut und den Kinofilm und später die schwul-lesbischen Szenen mit der Originalfassung verglichen. Auch die DVD-Kommentare waren sehr aufschlussreich. Insgesamt habe ich mehr als 490 schwul-lesbische Szenen gefunden und mehr als 70 schwule und lesbische Figuren, die sich näher beschreiben ließen.

Und gab es auch Fälle von Zensur?

Ich gehe in meinem Buch auf mehrere Fälle von Zensur ein, wo den Verantwortlichen beim Sender einige schwule Szenen als zu frei erschienen. Die Serie lief von Beginn an beim erzkonservativen US-Fernsehsender Fox und es gibt da eigentlich nur eine vernünftige Erklärung: Dass sich der Sender Fox ein linksliberales Feigenblatt im Unterhaltungsbereich zugelegt hat, damit er nach außen hin pluralistisch erscheint, während der gesamte ernstzunehmende Nachrichtenbereich nach wie vor konservativ ist.

Was lernen Simpsons-Fans aus Ihrem Buch?

Man kann etwas darüber erfahren, wie eine derbe lesbische Figur wie Patty oder eine schwule Figur wie Smithers sich in mehr als 20 Jahren entwickelt haben. Ich schreibe auch über Anspielungen, die in der deutschen Fassung der Serie nicht vorkommen. Auch wenn ich vieles zu kritisieren habe – Aids wird als Thema zum Beispiel fast ganz ausgeblendet – ist die Serie mit ihrem fairen und unterhaltsamen Humor auch für Schwule und Lesben eine Bereicherung.

In het Panhuis: Hinter der schwulen Lachern – Homosexualität bei den Simpsons, Archiv der Jugendkulturen Verlag, 2013, 205 Seiten, 28 Euro

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